Fachinformationen rund um's Schleifen von

Handschleifen

Trotz Maschineneinsatz bei der Oberflächenbearbeitung wird in bestimmten Fällen immer noch auf das altbewährte Handschleifen zurückgegriffen, etwa an schwer zugänglichen Stellen sowie bei komplexen Geometrien oder Konturen. Neben dem bewährten Schleifpapier helfen heute dort hoch technisierte Schleifmittel, wie solche auf Schaumstoff-Basis oder Vlies-Produkte, ergonomisch eine homogene Oberfläche oder ein gleichmäßiges Finish zu erzielen.

Schleifen – eine uralte Handwerkskunst

Lange vor dem dem ersten Maschinenschleifen griff man im Mittelalter zum Handschleifen auf Schleifsteine und Schleifmittel auf Schmirgelbasis zurück – ein natürlich vorkommendes Mineral hauptsächlich aus Korund (Al2O3) mit einer Mohs Härte von 9. Ebenso kamen Flint (Feuerstein) und Granat zum Einsatz. Messer sowie Werkzeuge wurden so geschärft, Schmucksteine in Form geschliffen. Schwertfeger bekamen die gehärteten und geschliffenen Klingen zum “Fegen”, wie das Glätten und Polieren der Oberfläche genannt wurde. Dabei arbeitete man mit rotierenden Schleifsteinen sowie mit Polierhölzern und einem Brei aus Schmirgel, Quarzsand, Kieselgur und Öl. Im Jahr 1834 schließlich wurde das praktische Schleifpapier im US-Bundesstaat Vermont von Isaac Fisher erfunden. 1863 kam es auch in Deutschland durch Carl Friedrich Schröder zur ersten industriellen Schleifmittelproduktion. Im großen Maßstab produzierte die „Minnesota Mining and Manufacturing Company“ (3M) 1904 erstes Sandpapier und 1921 entwickelte sie das erste wasserfeste Schleifpapier.

Handschleifen – vielfältige Einsatzmöglichkeiten

Trotz aller Maschinisierung greift man heute noch oft auf das Handschleifen zurück, etwa dann, wenn die Grenzen von Exzenterschleifern & Co erreicht sind, also wenn es am Werkstück zu eng wird, oder um schwer zugängliche Stellen mit Schleifmitteln zu erreichen wie Hinterschneidungen bzw. bei komplexen Geometrien wie z.B. für das Bearbeiten von Gittern und Hohlformen. Typische Beispiele für den Handschliff sind:

  • Feinschleifen von Füllern etwa bei Karosserie Reparaturen
  • Entfernen von Anlauffarben auf Metall mit Schleifvlies
  • Entfernung von alten Anstrichen etwa auf Fensterrahmen oder Türen
  • Schleifen von Möbeln
  • Schleifen von Holz- und Kunststoffoberflächen
  • Oberflächenbearbeitung vor dem Aufbringen von Korrosionsschutz
  • Konturschleifen von Freiformen

Praktische, ergonomische Hilfen für den Handschliff

Beim Handschleifen lassen sich die Werkstücke heute mittels ergonomischer Schleif-Sets verschiedener Größen bearbeiten. Dazu sind vielfältige praktische Lösungen für beinahe jeden Anwendungsfall vorstellbar:

  • Klassische Schleifblöcke oder Schleifklötze aus Holz, weichem Kork, Hartgummi oder hartem Kunststoff gibt es als einfachen quadratischen Schleifblock oder als geformte Schleifer-Sets. Gummiklötze etwa passen sich Konturen perfekt an. Daneben gibt es Schleifklötze auch in praktischer Kegelform, damit gelangt man besser in Tiefen und Ecken. Schleifblöcke lassen sich leicht reinigen und können so mehrfach verwendet werden.
  • Super flexible Handschleifpads dienen etwa zum Schleifen von Rohren und gewölbten Oberflächen.
  • Schleifhandschuhe mit Klettverschluss zur Aufnahme von Schleifvlies sind
    besonders geeignet zum Bearbeiten gewölbter Flächen, Profile und Rundungen.
  • Kleine Schleifblütenhalter mit Selbstklebung oder Kletthaftung aus weichem PUR-Schaum für gewölbte Flächen oder etwa zum Entfernen kleiner Fehler wie Staubeinschlüsse im Lack
  • fingerschonende, flexible Handschleifteller, die sich der Oberfläche optimal anpassen für das Schleifen runder Formen und Wölbungen bei gebogenen Werkstücken
  • Schleifgitter / Gitterleinen zur Oberflächenglättung vom Putz im Trockenausbau
  • Mit Wasser auswaschbare Schleifschwämme bzw. Soft-Pads mit Schaumstoffunterlage und 4-seitiger Beschichtung – etwa zum Anschleifen von Holz, Kunststoff oder Metall vor dem Farbauftrag, zum Anschleifen von Werksgrundierung und Altlack oder zum Nachschleifen der Konturen beim Trockenendschliff.  Bei Soft-Pads muss ohne Druck gearbeitet werden. Denn wie alle von Hand verwendeten Trockenschleifmittel neigt auch dieses Material zum Zusetzen bei Ausübung von Druck. Der Schaumträger aber dient nicht dazu, diesen Druck zu kompensieren, sondern er sorgt dafür, dass keine scharfen Kanten entstehen und somit ein sehr gleichmäßiges Finish gewährleistet ist. Schleifkorn: Aluminiumoxid in grober, mittlerer und feiner Körnung. Solche Produkte sind vollkunstharzgebunden, damit ein frühzeitiger Kornausbruch vermieden wird.
  • Softschleifschwämme sind hochflexibel, bilden keine scharfen Kanten, passen sich jeder Kontur an, rutschen nicht in der Hand und erzeugen so ein sehr feines, gleichmäßiges Finish. Einsatzbereiche: Manuelles An- und Nachschleifen von Konturen, Rundungen und schwer zugänglichen Stellen.
  • Mattierungsschwämme sind Viskoseschwämme und beidseitig mit Schleifvlies
    ausgestattet. Einsatzbereich: Zum Anschleifen glatter und unebener Untergründe;
    auch ideal für die Netzmittelwäsche (Zinkwäsche).
  • Schleifvlies-Handpads zum Reinigen, Entgraten, Finishen und Anschleifen von Oberflächen in den Bereichen Metall, Holz, Kunststoff uvam. Schleifvlies eignet sich ideal für die Bearbeitung von Holzoberflächen, zum Glätten von grundierten Hölzern, ausgefrästen Profilnuten oder ölhaltigen Massivhölzern, zum Abreiben gebeizter Flächen, Abwaschen und Reinigen von Möbeln. Es bildet eine Alternative zu herkömmlichen Reinigungs- und Finishprodukten, wie Stahlwolle, Drahtbürsten, Schabern und Lösungsmitteln.
  • Nass und trocken verwendbare Schleifvliesrollen mit perforierten Pads sind dünn und extrem flexibel, um Ecken, Falzungen und Vertiefungen optimal bearbeiten zu können. Sie eignen sich für Holzbearbeitungs-Anwendungen wie Glätten oder Entfernen von Holzfasern, vor und nach dem Grundieren.

 

Schleifmaterialien für den Handschliff

Schleifpapier in Bogenform

Schleifblöcke, Handschleifteller & Co werden üblicherweise mit Schleifpapier in Bögen bzw. Scheiben bestückt, gelegentlich auch als Sand- oder Schmirgelpapier bezeichnet. Vorteil: neben der flexiblen Körnungsauswahl kann es bei aller Robustheit dennoch stets leicht auf die jeweilige Größe der vielfältigen Schleifunterlagen passend zugeschnitten, gefaltet oder gerissen werden. Schleifpapier lässt sich auch zum Nassschleifen oder für den Ölschliff nutzen.

Die Körnung von Schleifpapier ist in vier Kategorien unterteilt:

  1. Die grobe Körnung von P40 bis P60 eignet sich zum Grobschliff oder etwa dem Entfernen von Lack- und Leimschichten.
  2. Die mittlere Körnung von P80 bis P100 dient dem Vorschleifen roher Holzflächen.
  3. Die feine Körnung von P120 bis P180 wird zum anschließenden Feinschleifen der Holzflächen genutzt.
  4. Die sehr feine Körnung von P220 bis P1.200 dient dem Nachschleifen grundierter, lackierter sowie gewässerter Flächen bzw. dem Endschliff. Für spezielle Feinschliffe stehen oberhalb von P1.500 Körnungen bis 6.000 zur Verfügung. Mit feinsten Körnungen wird aber überwiegend nass geschliffen.

Die wichtigsten Mineralien: Als Schleifmittel auf dem Schmirgelpapier werden meist Mineralien wie

  • Siliciumcarbid,
  • Aluminiumoxid

eingesetzt. Für den Handschliff kommt selten mal Granat, oft Edelkorund (für Holz) sowie Sondermischungen (z.B. für Edelmetalle) zum Einsatz.

Schleifmittel auf Schaumstoff-Basis

Beim Schleifen mit Schaumstoff als Trägermaterial steht nicht nur der Abtrag im Vordergrund. Zum Erzielen einer perfekten, gleichmäßigen Werkstückoberfläche mit geringen Rauhtiefen ist eine zweidimensionale Druckverteilung beim Schliff alleine nicht ausreichend, wie zum Beispiel mit Schleifmitteln auf Papierunterlage. Es wird eine dreidimensionale Verteilung des Drucks benötigt. Die dreidimensionale Kraftübertragung entsteht durch das Trägermaterial Schaum in Verbindung mit einem flexiblen Bindemittel. Dadurch kann das Korn dem Anpressdruck in einer Z-Achse ausweichen. Vorteil: Das Schleifkorn schneidet also nicht so tief in das zu bearbeitende Material, bricht weniger aus und generiert weder einen hohen Abtrag, noch einen Kantendurchschliff, sondern eine homogene Oberfläche.

Aufgrund ihrer Formanpassungsfähigkeit sind Schaumstoff-Schleifmittel besonders für schwer zugängliche und profilierte Oberflächen die perfekte Wahl. Schwer zu erreichende Stellen wie Türgriffmulden, Stoßstangen und Kühlergrille sind der ideale Einsatzbereich dafür. Im Gegensatz zu Schleifpapier kann Schaumstoff-Schleifmittel ohne Knickstellen gefaltet werden, was für ein gleichmäßiges Schleifbild ohne Kratzer sorgt. Eine Kombination aus weichem Trägermaterial und flexibler Kornbindung verringert auch das Zusetzen der Schaumstoff-Schleifmittel. Der Schleifstaub wird fortlaufend aus den Kornzwischenräumen herausgearbeitet.

Scotch-Brite™ Handschleif-Produkte

Scotch-Brite™ steht seit über 50 Jahren für Vliesprodukte von höchster Qualität. Unsere neue Faser ist besonders dicht, liegt hervorragend in der Hand und ist besonders gleichmäßig mit Schleifkorn beschichtet. Dadurch können Sie extrem schnell leichte Grate, Holzfasern oder Anlauffarben entfernen und bekommen ein wunderbares mattes Finish. Auch zum Mattieren von Lacken können Sie diese Pads sehr gut nutzen.

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