Fachinformationen rund um's Schleifen von

Winkelschleifer – Das Allroundwerkzeug nicht nur für Schleifarbeiten

Winkelschleifer sind als Universalgeräte zum Trennen und für den Materialabtrag von Metall und anderen Werkstoffen recht verbreitet. Nicht umsonst hat das sogenannte „Flexen“ längst Eingang in die Umgangssprache gefunden. Das Leistungs- und Anwendungsspektrum des Rotationswerkzeugs ist breit aufgestellt und mit den richtigen Scheiben versehen, bieten Winkelschleifer Lösungen für viele spanende Bearbeitungen.

Winkelschleifer (auch Trennschleifer genannt, im Volksmund oftmals „Flex“ oder Schleifhexe genannt) zählen mit ihrer rotierenden Scheibe zu den am weitesten verbreiteten Handwerkzeugen. Vor allem deswegen, weil sie ziemlich universell einsetzbar sind, u.a. zum:

  • Trennen 
  • Oberflächenschliff:
    • Reinigen (Abtragen von Lack, Rost, Zunder, Korrosion)
    • Entgraten
    • Vor- und Nachbearbeiten von Schweißnähten (Ausfugen, Anfasen, Nahterhöhung entfernen)
    • Finishen

Seinen Namen hat der Winkelschleifer von dem 90-Grad-Winkelgetriebe, welches das Drehmoment des elektrischen oder pneumatischen Antriebes im rechten Winkel auf die Schleifspindel überträgt und den Winkelschleifer somit deutlich von anderen Schleifmaschinen abgrenzt.

    Arten von Winkelschleifern

    Nach Antriebsart:

    • Elektro-Winkelschleifer
    • Pneumatisch angetriebene Winkelschleifer

    Letztere haben den Vorteil, dass sie leichter sind als motorbetriebene Geräte. Sie eignen sich besonders für den industriellen Dauereinsatz und funktionieren auch sicher in feuchten Arbeitsumgebungen. Druckluftschleifer benötigen allerdings einen Kompressor und sind in den Anschaffungskosten höher als Elektroschleifer.

      Größe und Leistung

      • Leichte Geräte mit 115 / 125 mm Scheibendurchmesser für leichte Schleifarbeiten (Leistungsbereich ab 750 W)
      • Handliche Allround-Winkelschleifer mit 150 / 180mm Scheibendurchmesser mittlerer Leistung (rund 1000-1700 W). Universell einsetzbar, jedoch vorrangig zum Schleifen.
      • Leistungsstarke Profi-Winkelschleifer mit Scheibendurchmesser von 230 mm für größere Schneid- oder Abtragsarbeiten (Leistungsaufnahme um 2.000 Watt).

      Die maximalen Leerlaufdrehzahlen liegen zwischen 11.000 und 13.000 U/min. Mit hohen Drehzahlen nimmt jedoch das Vibrationspotenzial merklich zu und erschwert das saubere Arbeiten. Andererseits verfügt das Werkzeug durch die hohen Schleifscheiben-Drehzahlen und den damit verbundenen Umfangsgeschwindigkeiten über eine erhebliche Material-Abtragsleistung. Vorteilhaft, da flexibel einsetzbar, sind daher oft drehzahlgeregelte Geräte.

        Welche Scheiben eignen sich für die jeweilige Anwendung beim Winkelschleifer?

        Grundsätzlich werden etwa bei Metall für einen groben Materialabtrag robuste Schruppscheiben eingesetzt, für die mittlere und feine Bearbeitung jedoch meist Fiberscheiben oder Fächerscheiben verwendet.

        • Beim Schleifen von Oberflächen-Unebenheiten, zum Reinigen von Schweißnähten, zum Entfernen von Nahterhöhung oder um Kanten zu brechen werden Winkelschleifer gerne mit Schruppscheiben eingesetzt. Gerade Brennschnittgrate (Lasergrate, Wasserstrahlschneidgrate, Stanzgrate oder Scherengrate) nach dem Trennen von Metall lassen sich so sinnvoll mit einem solch robusten Schleifmittel bearbeiten. Für hohe und extreme Grate haben sich gebundene Schleifscheiben, wie z.B. die Green-Corps Schruppscheiben mit hoher Schneidleistung bei geringeren Vibrationen oder auch Cubitron™ II Fächerschleifscheiben von 3M bewährt. Optimal wird ein Winkelschleifer mit Schruppscheibe in einem Anstellwinkel von 30 bis 35° zur Oberfläche geführt.
        • Fächerscheiben für Winkelschleifer bestehen aus mit Schleifkörnern besetzten, fächerförmig überlappenden Lamellen, welche (bisweilen gekröpft oder konisch) auf einem Träger, z.B. aus Kunststoff, Aluminium oder Glasfaser-Verbundwerkstoff, verklebt sind. Sie sind im Gegensatz zu Schruppscheiben vibrationsärmer und es entstehen weniger Schläge zwischen Schleifmittel und Werkstück. Der Einsatz auf Winkelschleifern erfolgt vorzugsweise zur Schweißnahtbearbeitung, für den Flächen- sowie Kantenschliff, für das Abschleifen von Rost- und Lackstellen, das Verputzen von Guss, Glätten von groben Holzoberflächen oder zum Polieren. Moderate Grate lassen sich am besten etwa mit einer 3M Cubitron™ II Fächerschleifscheibe entfernen.

        Vorteile der Fächerscheiben:

        • riefenfreies Schleifen
        • weicher Schliff für eine gleichmäßigere Oberfläche
        • kühler Schliff.

        Außerdem verstopfen Fächerscheiben mit Zirkonkorund beim Schleifen von Alu oder Edelstahl kaum.

        • Grobreinigungsscheiben dienen u.a. zum Entfernen von Lack, Rost, Zunder und Anlauffarben. Denn nur so lassen sich später technisch fehlerfreie Schweißverbindungen, Lackierungen oder Beschichtungen auf das Material aufbringen. Grobreinigungsscheiben, wie die aus dem Scotch-Brite™-Programm, sind durch das im federnden Vlies eingebrachte Schleifkorn (z.B. Siliziumkarbid) problemlos in der Lage, eine Zunderkeramikschicht aufzubrechen, während die Schleifpartikel gleichzeitig durch die Rotationsscheibe entfernt werden. Weiterer Vorteil: Das Schleifmittel dringt dabei nicht in den Grundwerkstoff ein und verändert dessen Geometrie – ein Unterschleifen wird so effektiv verhindert.
        • Fiberscheiben eigen sich z.B. ideal zum Anfasen mit dem Winkelschleifer etwa als Vorbereitung für eine Schweißnaht (X oder V Fuge). Hier führt die Entwicklung der 3M Cubitron™ II Fiberscheiben für ein sauberes, schnelles, metallisch blankes Anfasen in der industriellen Praxis zu einer Abkehr vom Grundsatz: Thermische Bearbeitung geht vor mechanischer Bearbeitung. Aber auch Holz lässt sich mit einer Fiberschleifscheibe mehr oder weniger grob bearbeiten.
        • Feinschleifen mit dem Winkelschleifer, wie etwa das Feinschleifen kleiner Schweißpunkte oder dünner WIG-Schweißnähte, das Reduzieren von Rautiefen oder die Entfernung von Anlauffarben, gelingt auf Winkelschleifern in Kombination mit Scotch-Brite Vliesscheiben,wie z.B. derScotch-Brite Vliesscheibe SC-DH.

        Praktische Schleiftipps für den Winkelschleifer:

        • Den Winkelschleifer stets außerhalb des Werkstückes starten. Schleifkontakt erst nach dem Erreichen der gewünschten Drehzahl herstellen. Anlaufen jedoch nicht mit aufgelegter Scheibe.
        • Der Anstellwinkel zwischen Werkstück und Schleifteller für Fiber und Scotch BriteTM sollte idealerweise zwischen 10 und 15 Grad betragen. Beim Schruppen erreicht man mit 30 bis 35 Grad die besten Ergebnisse. Winkelschleifer hierbei mit nur wenig Druck über das Werkstück führen.
        • Eine langsame und gleichmäßige Maschinenführung bewirkt weniger Rautiefe als eine schnellere Maschinenführung.
        • Entstandenen Schleifstaub, insbesondere bei feinen Oberflächenbearbeitungen und Polierschliffen, zwischendurch stets mit einem feuchten Tuch entfernen, damit dieser nicht als unerwünschtes Schleifmittel beim nächstfeineren Schleifschritt wirkt. Außerdem vermeidet dies ein schnelles Zusetzen des Schleifmittels mit Staub.
        • Scheint das Schleifmittel stumpf, empfiehlt es sich, zunächst vorhandenen Staub auf dem Schleifmittel zu entfernen. Im Fall von Grobreinigungsscheiben lässt sich zugesetzte Faser durch kurzen Kontakt mit einer Kante abscheren und somit frisches Schleifkorn freilegen.
        • Für Lack oder Holz gilt: Stets die vollständige Fläche ausschleifen, anstatt Flächen partiell fertig zu schleifen. Dies hält nicht nur die Temperaturbelastung gering, sondern verhindert insbesondere bei Lackoberflächen eine Fleckenbildung. Das Abtragen sollte bei Holz immer quer zur Maserung erfolgen. Das Finish sollte für ein optimales Oberflächenbild anschließend jedoch in Faserrichtung erfolgen.

        Expertentipp: Nur so viel Material wie nötig und nicht wie möglich abschleifen. Dabei immer ein Schleifmittel auswählen, das nur den unerwünschten Belag entfernt, aber nicht die Werkstück-Geometrie verändert.

          Sicherheitstipps zur Arbeitssicherheit

          • Der Winkelschleifer ist mit bis zu 13.000 U/min ein Werkzeug, von dem bei unsachgemäßer Benutzung ein Gefährdungspotential ausgeht. Deswegen sollte man auch nur eine für die erforderliche Arbeit geeignete Scheibe einsetzen. Stets auf bestimmungsgemäße Verwendung der Schleifmittel achten! Trennscheiben dürfen nur mit geschlossener Schutzhaube und auf keinen Fall für Schrupparbeiten verwendet werden, da Scheibenfragmente beim Bruch mit hoher Radialgeschwindigkeit herausgeschleudert werden können.
          • Grundsätzlich dürfen ausschließlich Scheiben mit der auf dem Label jeweils angegebenen maximalen Drehzahl verwendet werden. Das Haltbarkeitsdatum der Scheiben nicht überschreiten.
          • Darauf achten, dass stets nur Schleifvorsätze genutzt werden, die für die hohen Drehzahlen geeignet sind. Bohrmaschinen-Schleifvorsätze für niedrige Drehzahlen sind daher ungeeignet und gefährlich.
          • Vor Inbetriebnahme stets die Bedienungsanweisung lesen.
          • Vor jedem Gebrauch empfiehlt sich ein halbminütiger belastungsfreier Probelauf des Winkelschleifers, um durch Unwucht oder Beschädigungen verursachte Vibrationen frühzeitig zu erkennen.
          • Vibrierende sowie unrund laufende Winkelschleifer bzw. Schleifmittel sind außer Betrieb zu nehmen und zu ersetzen.
          • Scheiben mit Sorgfalt wechseln: Zuerst Stromversorgung trennen, dann Überwurfmutter mit Spezialschlüssel lösen. Zuvor Arretierung von der Drehachse fixieren. Nach dem Scheibenaustausch darauf achten, dass sich die Mutter an sicherer und fester ursprünglicher Position befindet.
          • Auch Einhandwinkelschleifer aus Sicherheitsgründen am besten mit beiden Händen gleichzeitig führen. Dabei auf einen sicheren Stand achten.
          • Werkstück sicher fixieren, allerdings niemals die Maschine fix einspannen.
          • Entflammsichere, eng anliegende Kleidung tragen (keine leicht entflammbaren Chemiefasern). Weite Kleidung kann sich, ebenso wie lange Haare, in den rotierenden Werkzeugen verfangen.
          • Persönliche Schutzausrüstung verwenden! Gegen Schleifstaub und Späne immer eine geeignete Schutzbrille und ggf. einen Visierhelm tragen. Eine geeignete dicht sitzende Staubschutzmaske, Gehörschutz und Handschuhe verwenden.
          • Auf Funkenflug achten, kein brennbares Material in Arbeitsnähe lagern.